Nachlese 1. Runde DFB-Pokal


Der Pokal hat seine eigenen Gesetze, heißt es, und das Ausscheiden von gleich sechs Erstligisten gegen unterklassige Teams – allen voran natürlich das sensationelle 4:0 der Berliner AK gegen Hoffenheim – spricht dafür, dass an diesem Allgemeinplatz durchaus etwas dran ist. Außerhalb des Spielfelds scheinen jedoch auch im DFB-Pokal die Uhren ganz genau so zu gehen wie im Ligaalltag auch, wie ein paar – gelinde gesagt – unschöne Vorfälle eindrücklich zeigen

So zeigten Anhänger_innen von Preußen Münster während des Spiels gegen den SV Werder Bremen zwei Tapeten, deren Botschaft sich zusammengenommen »Gegen Sexismus + Homophobie – Ihr schwulen Fotzen!!!« liest. Offenbar sollte damit die Bremer Kurve, innerhalb derer mehrere Gruppen seit Jahren mit Nachdruck gegen jede Form von Diskriminierung aktiv sind provoziert werden. Mittlerweile reagierte zumindest das dortige Fanprojekt und kritisierte den Vorfall.

Im Heimstadion des SV Werder zeigten wiederum Fans von Borussia Dortmund beim Spiel gegen den FC Oberneuland ein Banner, das an den verstorbenen Kampfsportler Rico Malt erinnerte, der seinerzeit – sehr, sehr vorsichtig formuliert – über intensive Kontakte zur rechten Hooligantruppe HooNaRa aus Chemnitz verfügte. Dem Banner war ferner zu entnehmen, dass es sich bei den Urheber_innen um die Gruppe »Northside Dortmund« handelt.

Die Anhänger_innen des MSV Duisburg wählten beim Spiel in Halle gegen den Drittligaaufsteiger Hallescher FC einen direkteren Weg. Einige von ihnen äußerten rassistische und antisemitische Beschimpfungen, während zumindest einer von ihnen dazu noch den »Hitlergruß« gezeigt haben soll.

Ähnlich direkt ging es in Chemnitz zu, wo beim Spiel gegen die SG Dynamo Dresden der Dresdner Spieler Mickael Poté von Teilen der Chemnitzer Kurve mit »Affenlauten« bedacht wurde. Der beninische Spieler, der für Dynamo in dieser Saison in jedem Pflichtspiel getroffen hat, reagierte sichtlich wütend, sagte aber nach dem Spiel, er habe »die Antwort auf dem Platz gegeben«. Ferner äußerte er via Facebook die Hoffnung, »dass die Liga darüber nachdenkt, auch für die anderen Opfer solcher Aktionen«. Die Chemnitzer Vereinsoberen distanzierten sich umgehend von dem Verhalten ihres Anhangs. Der Verein muss mit einer Strafe rechnen, wobei die für die abgebrannte Pyrotechnik wohl ohnehin anstehen dürfte.

Nicht fehlen darf dieser Tage in einer solchen Aufzählung natürlich Alemannia Aachen. Nachdem beim Auswärtsspiel in Saarbrücken Augenzeug_innen zufolge bereits Ultras und Hools von Karlsbande, Westwall und anderen Gruppen die Gruppe Aachen Ultras angegriffen hatten und sich derzeit auch Aachener Gerichte wiederholt mit der dortigen Ultraszene beschäftigen, gab es beim Spiel gegen Mönchengladbach – dem Bildmaterial nach zu urteilen im Block der Karlsbande – ein Banner mit der Aufschrift »Bauernfotzen MG« zu sehen.

Natürlich erhebt diese Aufzählung keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es ist sogar anzunehmen, dass es auch in diversen anderen Stadien und Kurven zu zu kritisierenden Vorfällen gekommen ist. Doch auch diese Liste sollte ausreichen, um zu belegen, dass der deutsche Fußball durchaus wichtigere Probleme hat als Pyrotechnik, aber das will ja wieder keine_r hören…

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