Im Westen nichts Neues


Alemannia Aachen schafft es dieser Tage einfach nicht aus den Schlagzeilen heraus. Erst kommt es wiederholt zu gewalttätigen Angriffe rechter Fangruppen auf linke Fans des Vereins. Dann wird die Kameradschaft Aachener Land verboten und dabei immer wieder auch die Nähe von Teilen der Neonazigruppierung zur Aachener Fanszene thematisiert. Schließlich reagiert auch der Verein und entzieht den als rechts unterwandert geltenden Karlsbande Ultras (kurz KBU) ihre Gruppenprivilegien und untersagt ferner den Gebrauch jeglichen Materials mit Gruppenbezug.

Als Reaktion darauf verwendet die Gruppe seitdem weiße T-Shirts und weiße Banner mit schwarzem »Unerwünscht«-Aufdruck. Dass es sich dabei streng genommen ebenfalls um Material mit Gruppenbezug handelt, scheint der Verein bislang zumindest durchgehen zu lassen. Dabei schreibt selbst die Karlsbande selber auf ihrer Hompage: »Jede „Unerwünscht“-Fahne ersetzt eine Gruppen-Fahne mit den gleichen Maßen.«

Auch beim Auswärtsspiel beim SV Babelsberg 03 am vergangenen Samstag kamen besagte Shirts und Banner zum Einsatz, da der gastgebende Verein zuvor angekündigt hatte, das Verbot der Alemannia mitzutragen. Für die ersten zehn oder fünfzehn Minuten des Spiels gab es zudem, während im Block nebenan und durch zwei Reihen Ordner_innen plus Zaun und Polizei von den anderen Fans getrennt die linke Ultragruppe Aachen Ultras (kurz ACU) sich in Dauersupport übte, von Seiten der KBU samt aller anderen, die im selben Block standen, einen offenbar organisierten Stimmungsboykott.

Besonders interessant jedoch war der schwarze Kapuzenpullover der Person, die aufgrund ihrer herausgehobenen Position vor den Bannern offenbar die Rolle des Capos innehatte. Diesen zierte nämlich auf der Rückseite groß, in Farbe und für alle sichtbar das Logo der Karlsbande. Das offene und offensive Zeigen des eigenen Gruppenlogos – denn um nichts anderes geht es hier – ist dabei durchaus als symbolische Demonstrieren der eigenen Stärke und Standhaftigkeit zu verstehen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Karlsbande und ihr Umfeld ihr eigenes Handeln kritisch reflektieren und sich fragen, ob sie vielleicht doch irgendetwas nicht ganz richtig gemacht haben könnten, scheint somit weiter äußerst gering. In typisch rechter Manier inszeniert sich die Gruppe lieber weiter als Opfer gemeiner Verschwörungen und setzt noch immer auf als typisch männlich angesehene Werte wie Härte und Unnachgiebigkeit statt auf Nachdenken und Selbstkritik.

Da von Seiten der Karlsbande also bis auf weiteres keinerlei Fortschritte zu erwarten sind, erscheint es umso wichtiger, dass der Rest der Aachener Fanszene endlich Stellung bezieht, denn wer sich nicht gegen das Verhalten der Karlsbande, ihr gewalttätiges Auftreten und ihre erwiesene Rechtsoffenheit stellt, wird durch sein_ihr Schweigen selbst zum Teil des Problems.

Die Aachen Ultras jedenfalls halten die Tür offen für alle, die sich nicht mit Karlsbande, Hools und Nazifreund_innen gemein machen wollen und laden zu sich in den Block S6 im heimischen Tivoli ein. »Alternative Sein!« lautet das Motto. Es ist zu wünschen, dass ihr Rufen nicht unerhört bleibt.

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