Männersportmetropole Berlin


Berlin ist ohne Zweifel eine der derzeit angesagtesten Städte der Welt. Das schlägt sich nicht nur in einem überhitzten Wohnungsmarkt wieder, es zeigt sich auch in den Heerscharen junger, hipper Tourist_innen, die sich hier Tag und Nacht durch die Straßen, Geschäfte und Clubs schieben. All das ist Berlin, der Stadt, die sich selbst als »arm, aber sexy« bezeichnet, jedoch nicht genug. Berlin will mehr sein – unter anderem jetzt auch »Sportmetropole«.

In einer aufwendig inszenierten Kampagne wirbt die Stadt derzeit auf Plakaten für die zahlreichen sportlichen Highlights, die sie zu bieten hat. Bei all dem großen Auftrumpfen haben sich jedoch ein paar Schönheitsfehler eingeschlichen. Nicht nur ist die Hertha pünktlich zur Kampagne abgestiegen, auch Alba, immerhin amtierender Vizemeister, ist bereits im Viertelfinale der Play Offs rausgeflogen. Das ist jedoch beides relativ egal, denn der wirkliche Fehler liegt anderswo.

Der wirkliche Fehler liegt darin, dass es mal wieder nur um Männersport geht. Natürlich ist es wahr, dass Männersport mehr Menschen in die Stadien, Hallen und Arenen lockt als Frauensport, doch liegt die Vermutung nahe, dass das auch an Kampagnen wieder dieser liegt, die die Existenz von Frauensport komplett ignorieren. Eigentlich würde es sogar nahe liegen genau hier anzusetzen und für den Besuch der Spiele der Frauenligen zu werben, statt einmal mehr die ohnehin schon bis über beide Ohren gesponserten Männerteams zu umschwärmen.

Dabei hat Berlin gerade auch im Bereich Frauenteams eine Menge zu bieten. Im Volleyball spielen mit dem Köpenicker SC und dem Zurich Team VCO Berlin gleich zwei Teams in der Bundesliga. Im Eishockey spielen Eisladies des OSC Berlin ebenfalls erstklassig. Dasselbe gilt für die SG Neukölln im Wasserball, VFK 01 Berlin im Faustball und die SG Berlin im Rugby. Im Feldhockey kam der Berliner HC in der vergangenen Saison ins Halbfinale der Meisterschaft. Die Berlin Kobra Ladies sind im Amarican Football sogar amtierende Deutsche Meister_innen. Im Basketball gibt es mit dem ASV Moabit immerhin ein Zweitligateam und auch im Handball sind die Frauen der Füchse gerade in die zweite Liga aufgestiegen.

Bei der Deutschen Lieblingssport Fußball müssen sich die Frauen in Berlin ebenfalls nicht hinter den Männern verstecken, denn, selbst wenn wir mal kurz vergessen, dass mit Turbine Potsdam das beste Team der Republik quasi vor der Haustür der Hauptstadt spielt, hat Berlin selbst mit Blau-Weiss Hohen Neuendorf und dem 1. FC Lübars bei den Frauen immerhin genauso viele Zweitligateams zu bieten wie bei den Männern.

Doch all das wird ohnehin keine_n interessieren, denn gegen das Patriarchat Argumentieren ist wie Wände Anschreien. Im Endeffekt wird ohnehin mit den Füßen abgestimmt. Wir sehen uns im Stadion.

[Sportmetropole Berlin]

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Ein Kommentar

  1. Pingback: Männersportmetropole Berlin « jan tölva

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