Ultra Szene Mainz von Rechten gecrosst


Unbekannte haben ein Graffiti der Ultra Szene Mainz (USM) gecrosst. So etwas passiert sicher nicht zum ersten Mal. In diesem Fall deutet jedoch vieles darauf hin, dass es sich dabei um extrem rechte Schmierfinken handelt.

Zum einen wurde in sichtlich dilettantischer Weise, die darauf schließen lässt, dass es sich nicht um hauptamtliche Sprüher_innen handelt, der Spruch »Ultras Not Red« gesprüht. Dabei handelt es sich um den Namen eines zwar sehr schlechten, aber auch sehr bekannten Blogs, der Bilder extrem rechter Ultras und Hools versammelt. Es liegt nahe, zu vermuten, dass der Spruch dem Slogan »Punk’s not Red« entlehnt ist, mit dem rechte Oi!-Idiot_innen seit langem versuchen die linke Deutungshoheit über Punk anzugreifen und der seinerseits wiederum eine Abwandlung des von The Exploited popularisierten »Punk’s not dead« ist.

Noch eindeutiger dagegen sind die URL und die Symbole, die auf dem zweiten Foto zu erkennen sind. Hinter der Website zentropa.info verbirgt sich ein extrem rechter Blog, der sich regelmäßig auf die italienischen Neofaschist_innen der Casa Pound beziehen, und das stilisierte Keltenkreuz ist seit langem als Symbol für »White Power« gebräuchlich. Das seltsame Symbol rechts, das einem »Peace«-Zeichen ähnelt, ist das Symbol der sogenannten »Identitären Bewegung«.

Diese hat ihren Ursprung und ihren Schwerpunkt in Frankreich, wo der Bloque Identitaire und dessen Jugendbewegung Génération Identitaire derzeit zu den wichtigsten Akteuren innerhalb der extremen Rechten jenseits des Front National zählen. Die Identitäre Bewegung setzt vor allem auf öffentlichkeitswirksame Aktionen mit hohem durch die bloße Macht der Bilder transportierten Symbolgehalt. So haben Mitglieder der Bewegung etwa im Oktober 2012 ein Moscheedach in Poitiers besetzt oder im März 2010 maskiert mit Schweinemasken eine Filiale einer Restaurantkette in Aufruhr versetzt, weil dort »Halal-Burger« verkauft werden.

Politisch ist die Identitäre Bewegung im Dunstkreis der Neuen Rechten einzuordnen. Sie vertritt keinen klassischen, sondern eher einen kulturalisierten, weiß-europäischen Nationalismus, der sich offenkundig an das Konzept des Ethnopluralismus anlehnt. Auch wenn die Bewegung von sich behauptet nicht rassistisch zu sein, so trifft das für ihre Mitglieder in der Praxis – ähnlich wie bei der English Defence League – eher selten zu. In den vergangenen Monaten ist die Bewegung offenbar auch in Deutschland angekommen. Eine eigene Website ist eingerichtet worden und zumindest in Rostock und Berlin ist es zu Aktionen gekommen. Aus Kassel wurden mehrfach Graffitis mit dem Logo der Bewegung gemeldet.

Auch wenn nicht bekannt ist, wer für die Sprühereien in Mainz verantwortlich ist, zeigen sie doch, dass in der Praxis die Identitäre Bewegung zumindest von einigen offenbar problemlos »White Power«, Neofaschismus und Antikommunismus zusammendenken lassen. Aber wen wundert das denn auch? Scheiße passt halt gut zu Scheiße…

jntlv-mainz1

jntlv-mainz2

Advertisements

3 Kommentare

  1. Pingback: Ultra Szene Mainz von Rechten gecrosst « jan tölva
  2. Rainer Wahnsinn

    meinem gefühl nach springen jetzt vermehrt rechte auf den zug fußball auf, bzw. versuchen dort mehr einfluss zu bekommen. alles nachdem die die situationen in aachen, düsseldorf, braunschweig und dortmund öffentlicher wurden.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s