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Polizeifeindlicher Rassismus in Augsburg?


Alles redet über die Ultras bei St. Pauli und Polizei in der Kurve oder eben nicht in der Kurve. Das ist auch sicher ein interessantes Thema, um damit ein Sommerloch zu stopfen. Untergegangen aber ist bei all dem Trubel eine Aussage von Walther Seinsch, dem Präsidenten des FC Augsburg, zu einem ganz ähnlichen Thema. In einem Statement zu einem Transparent in der Augsburger Kurve mit der Aufschrift „Bullen angreifen ist kein Verbrechen! – Standhaft bleiben Andi!“, das auf der Internetseite des Vereins eingesehen werden kann, schreibt dieser folgendes:
„Rassismus ist nicht nur körperliche und verbale Gewalt gegen ‚Rassen‘, sondern auch Gewalt und Ausgrenzung gegen Gruppen dieser Gesellschaft. Dazu gehört auch die Polizei.“
Ungeachtet der Frage, ob die Polizist_innen jetzt „Freund und Helfer“ oder „Bullenschweine“ sind, ist an dieser Aussage höchst problematisch, dass sie die Ausgrenzung oder Diskriminierung von Polizist_innen nicht nur als dem Rassismus gleichwertig bezeichnet, sondern explizit die Behauptung aufstellt, es handele sich dabei um Rassismus. Diese Aussage halte ich für in höchstem Maße kritikwürdig und im Grunde schlicht falsch.
Da Seinsch oftmals glaubwürdig vermittelt hat, dass Rassismus ihm zuwider ist, wäre eigentlich zu erwarten gewesen, dass er auch wüsste, was genau eigentlich Rassismus ist. Selbst ein Blick in die Wikipedia hätte genügt, um ihm einen Hinweis zu geben, dass er mit seiner Aussage ziemlich über das Ziel hinaus geschossen ist. Dort nämlich wird Rassismus wie folgt definiert:
„Rassismus ist eine Ideologie, die „Rasse“ in der biologistischen Bedeutung als grundsätzlichen bestimmenden Faktor menschlicher Fähigkeiten und Eigenschaften deutet.„
Polizist_in zu werden ist nun allerdings eine mehr oder minder frei getroffene Entscheidung. Von Biologismus kann hier keine Rede sein. Seinsch wirft hier schlicht Dinge in einen Topf, die in getrennten Töpfen besser aufgehoben wären. Seiner Auslegung des Begriffes Rassismus zufolge könnte zum Beispiel auch Polizeigewalt gegen Ultras als rassistisch bezeichnet werden, weil es ja auch Gewalt gegen eine Gruppe ist. Ebenso wäre es Rassismus, wenn sich Bandidos und Hell’s Angels die Schädel einschlagen oder sogar wenn Männer am Frauentag nicht in die Sauna dürfen, denn das wäre ja Ausgrenzung einer Gruppe.
Es wäre angebracht, wenn Seinsch seinen laxen Umgang mit dem Wort Rassismus noch einmal überdenken würde und sich eine trennscharfe Definition desselben zu eigen machen würde, denn auch bei strengster Definition wird er noch ausreichend davon finden, wenn er nur genau genug hinsieht. Sein Gebrauch des Wortes ist nicht weniger als Verharmlosung des tatsächlich existierenden Rassismus. Da Seinsch eigentlich für sein zivilgesellschaftliches Engagement gegen Rechts bekannt ist, dürfte ihm daran wenig gelegen sein.

Kein Derbyfieber in Berlin


Angeblich ist ja die ganze Hauptstadt seit Tagen oder gar Wochen im Derbyfieber. Irgendwie scheint das aber ein Großteil der Stadt nicht mitbekommen haben. Ohnehin ist Fußball in Berlin etwas, was die Stadt weder elektrisiert noch großartig interessiert. Natürlich gibt es Zehntausende Fans von Hertha und Union, und auch der BFC, TeBe und Babelsberg haben durchaus erwähnenswerte Fanszenen, doch interessiert sich das Gros der über drei Millionen Menschen hier für keinen der Vereine so richtig, und die Fußballkneipen sind zumindest in der Innenstadt eher dann am vollsten, wenn Barcelona gegen Real spielt oder der FC Bayern gegen Borussia Dortmund.

Das mondäne Berlin steht halt eher auf guten Fußball und den gibt es hier vor Ort schon seit vielen Jahren nicht mehr. An den ausgefransten Rändern der Stadt, wo Berlin fließend in Brandenburg übergeht, mag das anders aussehen. Dort gibt es sie wahrscheinlich wirklich die eingefleischten Herthaner_innen und die eisernen Unioner_innen. In Kreuzberg, Mitte oder Friedrichshain deutet jedoch auch am großen Derbytag absolut gar nichts darauf hin, dass hier heute nahezu 75.000 Menschen in eines der hässlichsten Stadien der Welt fahren und Zweitligafußball schauen werden. Hier gehen die Leute einkaufen oder sonstwas, und um 20.15 Uhr gucken sie wahrscheinlich die Simpsons und nicht Sport 1.

Fußball in Berlin oder besser gesagt die Fanszenen der großen Berliner Vereine sind vor allen Dingen eine Sache des White Trash. Das wird auch offensichtlich, wenn mensch am Tag des Derbys zum Bahnhof Zoo fährt, wo sich beide Szenen nur wenige Hundert Meter voneinander entfernt zur gemeinsamen Anreise in Richtung Reichssportfeld versammelt haben. Zwar tragen die einen Blau und die anderen Rot, aber das Sozial- und auch das sonstige Verhalten gleicht sich nahezu wie ein Ei dem anderen. Auf beiden Seiten gibt es Böller und Pyros, auf beiden Seiten werden zu den gleichen Melodien meist ähnliche Texte gegröhlt und auf beiden Seiten werden unglaubliche Mengen von Alkohol vernichtet, als gäbe es im Olympiastadion eine Mindestpromillegrenze.

Was jetzt so toll daran ist, sich mehrere Stunden lang in der hässlichen City Westberlins bei Minusgraden die Beine in den Bauch zu stehen, wenn mensch doch ohnehin schon später am Abend mehr als genug Zeit in der Kälte verbringen muss, erschließt sich mir nicht so ganz. Wahrscheinlich hat es was mit Gemeinschaftsgefühl zu tun. Vielleicht auch nur mit Langeweile. Überhaupt wirkt das Ganze arg aufgebauscht. Zu Vorwendezeiten waren die Fans beider Vereine sogar befreundet und bis zum ersten Pflichtspielderby vor rund vier Jahren war die Rivalität mehr oder minder gleich Null. Warum das alles plötzlich zum bitterheißen Derby hochstilisiert werden muss und vor allem warum manche Leute den Quatsch auch noch glauben und ernst nehmen ist mir schleierhaft.

Derbys leben auch von Tradition und Geschichte, von lange anhaltender Rivalität, von über Generationen hinweg tradierten Legenden. All das gibt es bei Hertha gegen Union nicht mal im Ansatz. Das einzige Derby, das in Berlin wirklich eines wäre, wäre das zwischen Union und dem BFC Dynamo. Alles andere ist entweder ein guter Witz – wie jüngst bei TeBe gegen Blau-Weiss – oder ein schlechter – wie das hier und heute.

Dabei war zumindest der Mob der Unioner_innen wirklich beachtlich anzusehen, als er vom Breitscheidplatz zum Zoo zog. Mir persönlich gefiel das Dutzend Fans von TeBe, das sich im KaDeWe zum Champagner Trinken getroffen hatte, jedoch um Klassen besser. Irgendwie schienen sie mir die einzigen zu sein, die dem ganzen Trubel genau das richtige Maß an Aufmerksamkeit schenkten – nämlich gar keine.

jntlv-berlinderby

Always moving forward… – ACU gibt auf!


Gut zwei Tage sind vergangen seit den Ereignissen von Köln und noch immer schüttel ich unwillkürlich mit dem Kopf, wennich  daran denke, was ich dort erlebt habe. Dabei hatte alles so gut angefangen. Die rund 250 Ultras und Unterstützer_innen und unter ihnen all die bekannten Gesichter zu sehen, die von überall her angereist waren, um den Aachen Ultras (ACU) bei ihrem letzten und schwersten Gang ins Stadion solidarisch zur Seite zu stehen, war etwas, das einer_m schon Mut machen konnte. Vielleicht ist so etwas wie ein besserer Fußball, eine bessere Fankultur, doch möglich…

Doch dann kam das Spiel und dann kamen die Rufe und Gesänge von der Karlsbande, von den Hools und von den ganz normalen Alemannia-Fans. Es waren nur Einzelne, die die Auswechselspieler von Viktoria Köln ausdauernd sexistisch und homophob beschimpften, aber es waren Hunderte, die abwertend von Köln als „Hauptstadt der Schwulen“ sangen und die „Hurensöhne“ riefen, und es war auf weiter Flur niemand zu sehen, der_die sich ihnen entgegen stellte. Wer mit diesem menschenfeindlichen Konsens nicht zurechtkommt, ihn nicht mittragen will, aber dennoch zur Alemannia geht, steht nebenan im anderen Block bei ACU. Wie viele schon vor langer Zeit aufgegeben haben und einfach gar nicht erst mehr ins Stadion gehen, lässt sich nur erahnen. Die Mehrheit jedoch schweigt schlicht und ergreifend.

Wer schweigt stimmt zu, heißt es irgendwo, und die Aachener Fanszene schweigt in weiten Teilen, wenn sie nicht selbst aktiver Teil des Problems ist. Auch der Verein tut fast nichts, um den herrschenden rechten bis rechtsoffenen Konsens zu brechen – wahrscheinlich aus der berechtigten Angst, einen Großteil des Anhangs zu verlieren, wenn er gegen Rassismus, Sexismus und Homophobie tatsächlich so engagiert vorgehen würde, wie er gerne behauptet und der DFB es eigentlich auch verlangt. Wenn Antidiskriminierungsrichtlinien konsequent umgesetzt werden würden und die Abwertung anderer Menschen als schwerwiegender oder wenigstens genauso schwerwiegend angesehen werden würde wie Pyrotechnik, dann hätten alleine nach diesem Spiel in Köln mehrere Hundert Anhänger_innen der Alemannia ein mehrjähriges bundesweites Stadionverbot bekommen müssen – und das lange bevor sie auch noch anfingen Böller auf ACU zu werfen…

Es ist schockiert, ja fast verstörend, was in Aachen als „zu links“ gesehen wird. Gemessen an dem nach außen kommunizierten Politikverständnis der Alemannia und ihrer Fanszene dürfte selbst die CDU zeitweise nur knapp am Verdacht des Kommunismus vorbeischrammen, denn was von ACU und deren Unterstützer_innen gefordert wird, ist in den allermeisten Fällen nicht mehr und nicht weniger als die Einhaltung geltender Andiskriminierungsgesetze und die Gewährung der im Grundgesetz festgehaltenen Rechte auf Unverletzlichkeit der menschlichen Würde und körperliche Unversehrtheit. Wenn nicht einmal darüber Konsens herrschen kann, dann ist es wahrscheinlich wirklich für jegliche positive Intervention zu spät.

Doch offensichtlich ist genau das der Fall. Ein Großteil – augenscheinlich die Mehrheit – der organisierten Fans von Alemannia Aachen haben offensichtlich weniger Probleme damit, mit aktiven Nazikadern, rechten Hooligans und rechtsoffenen Ultras in der Kurve zu stehen, als damit, das Stadion mit vielleicht zweihundert Menschen zu teilen, die sich diesem Konsens nicht anschließen wollen. Nächtliche „Hausbesuche“, Drohanrufe, Gewaltandrohungen in und ums Stadion und natürlich auch ganz klassische echte physische Gewalt in Form von fliegenden Flaschen, Schlägen und Tritten – all das scheint in Aachen als weniger gravierend angesehen zu werden als Antirassismus oder Engagement gegen Homophobie. Wenn Menschen es wirklich als wichtiger ansehen, dass sie selbst andere sexistisch beleidigen können, als dass es allen möglich ist, angstfrei in ein Fußballstadion zu gehen – und genau das gilt für einen großen Teil der Aachener Fans – dann braucht es mehr als eine kleine progressive Ultragruppe, um daran etwas zu ändern. Traurig, aber wahr…

Mit seinen Fans, wie sie sind, und der Vereinsführung, wie sie ist, hat Alemannia Aachen weder im Profifußball und eigentlich auch überall sonst nichts verloren. Ausgenommen vielleicht den Mülleimer der Geschichte oder die Schulbank in der Nachholklasse für den Grundkurs „Menschenrechte und Demokratie“. Dass ich mir mit derlei  Minimalforderungen mal derart radikal vorkommen würde, hätte ich mir auch nicht träumen lassen…

Doch wo ein Trainer nach dem Spiel sagt, es sei ihm egal, wenn sich die eigenen Fans untereinander angreifen, wo die Mannschaft sich nur bei denen bedankt, die andere Fans mit Böllern beworfen haben und das gegnerische Team in menschenverachtender Weise beleidigt haben und wo der Verein schließlich eine Stellungnahme veröffentlicht, aus der keinerlei Empathie, Problembewusstsein oder Fähigkeit zur Selbstkritik spricht, wird wohl offenbar selbst das Grundgesetz zum antifaschistischen Pamphlet.

Wenn es nur noch um Fußball geht, ist halt alles vorbei, dann war alles umsonst, denn Fußball ist Teil der Gesellschaft und muss als solcher auch soziale Verantwortung übernehmen. Wenn sich unter den eigenen Fans gleich reihenweise Nazis, Rassist_innen und rechte Schläger_innen finden, dann ist das ein Problem, dem sich gestellt werden muss. Alemannia Aachen dagegen scheint das Problem schon immer und immer noch eher bei denjenigen verortet zu haben, die dieses Problem öffentlich thematisiert haben. Aber die sind jetzt ja weg und der Verein kann wieder ungestört in seinem dreckig-braunen Sud aus Selbstmitleid und Schicksalsgemeinschaft schmoren. Die Nestbeschmutzer_innen sind raus aus dem Stadion und die Alemannia-Familie kann sich wieder fleißig gegenseitig auf die Schulter klopfen und so tun, als wäre nichts gewesen. Sie hat es ehrlich gesagt auch nicht mehr anders verdient.

Vielen Dank ACU und Umfeld für’s Versuchen! Macht euch nichts draus! Diesen Kampf gegen das geballte, Verein gewordene Nicht-Sehen-Wollen und Nichts-Gesehen-Haben, das sich Alemannia Aachen nennt, konntet ihr nur verlieren. Macht’s gut und passt auf euch auf. Ohne euch ist Fußball noch ein bisschen beschissener als ohnehin schon…

alwaysmovingforward-kl

Es gibt ein Leben nach dem Sicherheitskonzept


Als kleinen Service für all die Fans und Ultras, die nach dem Abnicken des neuen Sicherheitskonzepts der DFL nicht mehr so richtig Bock auf Bundesligafußball haben, hier mal ein paar Ausgehtipps ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Höherklassigen Sport gibt es ja nicht nur beim Männerfußball…

Frauenfußball von der Regionalliga aufwärts gibt es zum Beispiel beim FC Bayern München, Bayer Leverkusen, Eintracht Frankfurt, dem Hamburger SV, Borussia Mönchengladbach, dem SC Freiburg, dem SV Werder Bremen, der TSG 1899 Hoffenheim, Union Berlin, Erzgebirge Aue und dem VfL Bochum. Dazu käme dann noch der 1. FC Lübars als Kooperationspartner von Hertha BSC Berlin.

Im Männerhandball gibt es immerhin den Hamburger SV in der Bundesliga, danach aber lange nichts. Beim Frauenhandball dagegen hätten wir am 3. Liga aufwärts Borussia Dortmund, den FSV Mainz 05, den SV Werder Bremen und den 1. FC Köln.

Im Basketball der Männer spielt ja bekanntlich der FC Bayern mittlerweile auch in der Bundesliga, aber zwei Ligen darunter findet sich auch noch Bayer Leverkusen mit seinen Giants und Schalke 04 spielt immerhin in der Regionalliga. Im Frauenbasketball sind die Fußballbundesligisten allerdings fast schon erschreckend abwesend.

Die Fans der restlichen Vereine werden sich wohl leider mit Breitensport begnügen oder aber »fremdgehen« müssen.

Den Fans des VfB Stuttgart könnten, wenn sie wollten, zum Beispiel auch zum Allianz MTV Stuttgart in der Frauenbundesliga im Volleyball gehen oder zu den Stuttgart Scorpions im American Football der Männer, die in der GFL Süd spielen. Dass die Stuttgarter Kickers im Hockey ganz weit vorne sind, dürfte für sie dagegen kein Trost sein.

Die Anhänger_innen von Hannover 96 könnten sich bei den Hannover Scorpions immerhin mit Bundesliga-Eishockey der Männer die Zeit vertreiben. Ich persönlich würde ja aber Rugby bevorzugen, der in der Leinestadt mit dem DSC Hannover 78, dem SC Germania List und dem TSV Victoria Linden gleich dreimal in der Männerbundesliga vertreten ist. Germania List spielt zudem auch noch bei den Frauen erstklassig.

In Nürnberg gibt es mit den Ice Tigers einen Verein in der DEL, der zumindest einen schönen Namen hat und Düsseldorf ist mit der Düsseldorfer EG im Eishockey der Männer natürlich auch ganz weit vorn. In Augsburg wäre Schwaben Augsburg in Sachen Fußball wenigstens in der Frauenregionalliga zu haben oder halt auch DEL mit dem Team der Augsburger Panther.

Fürth dagegen ist ein wirklich trauriger Fall. Wenn niemand von dort ins nahe Nürnberg fahren möchte – was ja verständlich wäre irgendwie – dann bleibt mit den Fürth Pirates gerade mal ein Regionalligateam im Männerbaseball. Fast genauso trostlos sieht es in Kaiserslautern aus, wo mit den Pikes gerade mal ein Zweitligateam im American Football der Männer und mit dem 1. TKC noch eines im Tipp Kick.

Braunschweig dagegen ist nicht nur auf dem besten Weg in die Bundesliga im Männerfußball, die Stadt hat auch mit den New Yorker Lions ein Team in der GFL und mit den New Yorker Phantoms eines in der Basketballbundesliga der Männer.

Cottbus hätte Lacrosse-Bundesliga der Männer zu bieten mit den Cottbus Cannibals und zweite Liga American Football der Männer mit den Cottbus Crayfish, die jetzt wirklich mal einen Spitzennamen haben. Im Handball der Männer gibt es mit dem LHC immerhin die 3. Liga zu bestaunen.

Beim FSV Frankfurt wäre wohl am naheligendsten einfach mit dem 1. FFC Frankfurt eines der besten Frauenteams des gesamten Fußballwelt zu supporten, aber auch die Fraport Skyliners in der Basketballbundesliga der Männer sind trotz ihres Namens einen Versuch wert.

Auch in Duisburg bietet sich Frauenfußball förmlich an, denn der FCR 2001 Duisburg ist trotz durchwachsener Saison nach wie vor eine gute Adresse, auf jeden Fall klingt das eher nach Spitzensport als drittklassiges Eishockey der Männer bei den Füchsen oder drittklassiger Männerhandball beim OSC Rheinhausen.

In Ingolstadt ist wohl das DEL-Team des ERC Ingolstadt die beste Adresse jenseits des Fußballs. Alles andere läuft allerdings dann auch wirklich unter ferner liefen.

Die Fans von 1860 München hingegen hätten mit den Munich Cowboys in der GFL, dem EHC Red Bull München in der DEL, der allerdings aufgrund des Sponsoren wohl ausscheiden dürfte, und dem Münchner SC im Hallenhockey der Männer immerhin drei Erstligateams in Prestigesportarten zu Auswahl, die nicht »FC Bayern« heißen.

Ganz anders sieht es da schon in Aalen aus, wo 3. Liga Männervolleyball in Form von DJK Aalen schon das höchste der Gefühle ist. Auch Sandhausen ist mit dem Zweitligateam im Frauenbasketball, das die TG 1889 Sandhausen als Aushängeschild jenseits des Fußballs zu bieten hat, nicht gerade ein Sportmekka.

Paderborn hat neben einem eher farblosen Fußballverein immerhin noch hochklassiges Golf und Squash zu bieten und mit den Untouchables dazu noch ein überaus erfolgreiches Baseballteam mit unschlagbar geilem Namen. Die Paderborn Baskets in der 2. Bundesliga der Männer sind sicher auch einen Besuch wert.

Ob die Regensburg Legionäre mit ihrem Namen dagegen irgendwen groß begeistern können ist trotz Baseball auf Bundesliganiveau eher fraghaft. Dann vielleicht doch lieber Drittligahandball der Frauen beim TSV Haunstetten.

Beim FC St. Pauli schließlich gäbe es in der Sportstadt Hamburg eigentlich jede Menge Angebote, aber für die meisten Fans dürften weder die Freezers noch die großen Hockeyvereine, die alle irgendwie nach HSV riechen, in Frage kommen. Wahrscheinlich bleiben da abgesehen vom HC St. Pauli, der in Sachen Hockey in diversen Ligen sein Unwesen treibt, nur die anderen Abteilungen des eigenen Vereins. Aber immerhin sind ja sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen die Rugbyteams des FC in der Bundesliga vertreten. Im Blindenfußball spielt der FC ebenfalls in der obersten Spielklasse und beim Handball gibt es immerhin Männer-Oberliga und Frauen-Landesliga.

Es gibt also tatsächlich ein Leben nach dem Sicherheitskonzept. Auch wenn das für viele wohl ein eher schwacher Trost sein wird…

Männersportmetropole Berlin


Berlin ist ohne Zweifel eine der derzeit angesagtesten Städte der Welt. Das schlägt sich nicht nur in einem überhitzten Wohnungsmarkt wieder, es zeigt sich auch in den Heerscharen junger, hipper Tourist_innen, die sich hier Tag und Nacht durch die Straßen, Geschäfte und Clubs schieben. All das ist Berlin, der Stadt, die sich selbst als »arm, aber sexy« bezeichnet, jedoch nicht genug. Berlin will mehr sein – unter anderem jetzt auch »Sportmetropole«.

In einer aufwendig inszenierten Kampagne wirbt die Stadt derzeit auf Plakaten für die zahlreichen sportlichen Highlights, die sie zu bieten hat. Bei all dem großen Auftrumpfen haben sich jedoch ein paar Schönheitsfehler eingeschlichen. Nicht nur ist die Hertha pünktlich zur Kampagne abgestiegen, auch Alba, immerhin amtierender Vizemeister, ist bereits im Viertelfinale der Play Offs rausgeflogen. Das ist jedoch beides relativ egal, denn der wirkliche Fehler liegt anderswo.

Der wirkliche Fehler liegt darin, dass es mal wieder nur um Männersport geht. Natürlich ist es wahr, dass Männersport mehr Menschen in die Stadien, Hallen und Arenen lockt als Frauensport, doch liegt die Vermutung nahe, dass das auch an Kampagnen wieder dieser liegt, die die Existenz von Frauensport komplett ignorieren. Eigentlich würde es sogar nahe liegen genau hier anzusetzen und für den Besuch der Spiele der Frauenligen zu werben, statt einmal mehr die ohnehin schon bis über beide Ohren gesponserten Männerteams zu umschwärmen.

Dabei hat Berlin gerade auch im Bereich Frauenteams eine Menge zu bieten. Im Volleyball spielen mit dem Köpenicker SC und dem Zurich Team VCO Berlin gleich zwei Teams in der Bundesliga. Im Eishockey spielen Eisladies des OSC Berlin ebenfalls erstklassig. Dasselbe gilt für die SG Neukölln im Wasserball, VFK 01 Berlin im Faustball und die SG Berlin im Rugby. Im Feldhockey kam der Berliner HC in der vergangenen Saison ins Halbfinale der Meisterschaft. Die Berlin Kobra Ladies sind im Amarican Football sogar amtierende Deutsche Meister_innen. Im Basketball gibt es mit dem ASV Moabit immerhin ein Zweitligateam und auch im Handball sind die Frauen der Füchse gerade in die zweite Liga aufgestiegen.

Bei der Deutschen Lieblingssport Fußball müssen sich die Frauen in Berlin ebenfalls nicht hinter den Männern verstecken, denn, selbst wenn wir mal kurz vergessen, dass mit Turbine Potsdam das beste Team der Republik quasi vor der Haustür der Hauptstadt spielt, hat Berlin selbst mit Blau-Weiss Hohen Neuendorf und dem 1. FC Lübars bei den Frauen immerhin genauso viele Zweitligateams zu bieten wie bei den Männern.

Doch all das wird ohnehin keine_n interessieren, denn gegen das Patriarchat Argumentieren ist wie Wände Anschreien. Im Endeffekt wird ohnehin mit den Füßen abgestimmt. Wir sehen uns im Stadion.

[Sportmetropole Berlin]

Die dritte Glatze vom Kiez


Nach dem bisherigen Saisonverlauf für den FC St. Pauli, der in der Vorsaison immerhin vierter wurde, war die Entlassung von Trainer André Schubert am Ende einfach nur noch folgerichtig. Platz 13 und nur sechs Punkte aus sieben Spielen waren einfach zu wenig. Dazu noch die desaströse Heimniederlage gegen Aufsteiger Aalen. Der Verein musste hier einfach die Notbremse ziehen, zumal der Trainer ja nach seiner Fast-Entlassung zum Ende der letzten Saison ohnehin unter verschärfter Beobachtung stand und bei allen schönen Worten beinahe nur noch auf Bewährung das Training leitete.

Ob sein Nachfolger Michael Frontzeck allerdings der richtige Ersatzmann ist, steht zu bezweifeln. Zwar passt das »zeck« in seinem Namen ganz gut zum Verein und auch seine nicht vorhandene Frisur steht in direkter Tradition zu seinen zwei Amtsvorgängern, doch hat Frontzeck, der ohne Zweifel ein sehr guter Spieler gewesen ist, als Trainer bisher nicht wirklich Herausragendes geleistet. Ganz im Gegenteil liest sich dieser Abschnitt seiner Vita eher wie ein Tagebuch des Versagens. Sein erstes Engagement als Cheftrainer bei Alemannia Aachen in der Saison 2006/07 endete mit acht sieglosen Spielen zum Saisonende folgerichtig mit dem Abstieg in die 2. Bundesliga. Bei seinem zweiten Job bei Arminia Bielefeld ab 2008 konnte er den Verein immerhin eine Saison lang in der Bundesliga halten. Im Folgejahr stiegen die Ostwestfalen jedoch sang- und klanglos als Tabellenletzter ab. Frontzeck gelang dabei das Kunststück noch am vorletzten Spieltag entlassen zu werden. Ohne ihn gelang dem Team am letzten Spieltag immerhin noch ein Unentschieden gegen Hannover 96. Als er nach dann nach der Sommerpause bei seinem Heimatverein Borussia Mönchengladbach anheuerte, folgte auch hier eine durchwachsene Saison. Magere 39 Punkte reichten zwar immerhin für Platz 12, waren aber auch alles andere als berauschend. In seiner zweiten Saison bei Gladbach konnte er sich dann nur ganze fünf Spieltage auf der Bank halten. Ausgerechnet eine Heimniederlage gegen den FC St. Pauli, der dabei einen 0:1 Pausenrückstand noch in ein 2:1 drehte, brach ihm damals das Genick.

Natürlich heißt all das nicht, dass Frontzeck zwangsläufig ein schlechter Trainer sein muss und ferner sollte bedacht werden, dass St. Pauli auch seine erste Station in Liga 2 ist, wo die Uhren ja bekanntlich doch ein wenig anders ticken als im Oberhaus, doch stellt sich dennoch die Frage ob ein Trainer wie Frontzeck tatsächlich in das Konzept St. Pauli hineinpasst oder vielmehr ob es ein solches Konzept überhaupt noch gibt bzw. wie es denn wohl aussieht.

In der Tat hat nicht nur das Millerntorstadion, sondern auch die gesamte Lizenzfußballabteilung des FC St. Pauli in den letzten Jahren beinahe einen Komplettumbau erlebt. Während das Stadion einigen Misstönen zum Trotz doch mehr oder weniger gut zu gelingen scheint, vor allem aber durch die individuelle Architektur seinen besonderen Charakter bewahrt, haben die Abgänge von Präsident Littmann, Trainer Stanislawski und Sportchef Schulte, die die vergangenen Jahre des Vereins maßgeblich geprägt und den Verein aus den Tiefen von Regionalliga und Fastpleite in die Bundesliga und in finazielle ruhiges Fahrwasser geführt haben, doch eine beträchtliche Lücke geschaffen, die Orth, Azzouzi und Schubert nicht wirklich füllen konnten. Vor allem aber ist das Team massiv umgebaut worden. Von der alten Garde sind nur noch Boll, Ebbers, Kalla und Pliquett übrig geblieben und ein großer Teil der Neuzugänge wirkt nicht eben so, als wäre der FC St, Pauli ihnen eine Herzensangelegenheit. Für einen Verein, der in der Vergangenheit immer nur dann große Sprünge machen konnte, wenn er über einen eingeschworenen und eingespielten Haufen als Team verfügte, ist eine solche Entwicklung unter Umständen fatal.

Es steht außer Zweifel, dass Frontzeck sein Handwerk versteht. Andernfalls hätte er seine Fußballlehrerausbildung nicht mit Auszeichnung bestanden. Dennoch halten ihn in einer Umfrage der Hamburger Morgenpost nur etwa ein Drittel der Fans für »den richtigen Trainer« für den Verein. Aus diesen Zahlen spricht selbstredend nicht nur Skepsis Frontzeck gegenüber, sondern auch eine gewisse Grundunzufriedenheit der Fans mit dem Zustand ihres Verein und genauso eine ablehnende Haltung eines Teils der Fans gegen alle, die nicht Holger Stanislawski heißen. Wenn Frontzeck all jene, die ihn für den falschen Mann für seine Aufgabe halten, eines Besseren belehren will, täte er jedoch gut daran, diese Grundskepsis ernst zu nehmen, denn sie bezieht ihre Grundlage nicht nur aus einem plumpen »früher war alles besser«, sondern auch aus dem kollektiven Gedächtnis der Fanszene, die sehr genau wissen, wann und wie ihr Verein erfolgreich war und wann eben nicht. Wenn Frontzeck mit dem FC St. Pauli Erfolg haben möchte, dann sollte er nicht nur das desaströse Verhalten bei Standards des gegnerischen Teams und die eklatante Abschlussschwäche angehen, sondern vor allem auch die zwischenmenschlichen Dynamiken innerhalb des Teams ganz genau analysieren und falls nötig auch hart durchgreifen und Spieler, die das soziale Gefüge der Mannschaft aus dem Lot bringen, in die Wüste schicken bzw. sie in der Winterpause auf dem Transfermarkt Umtauschen gehen.

Sollte ihm all das gelingen und sollte das Team wieder in die Erfolgsspur zurückkehren, darf sich Frontzeck jedoch bei allen Vorbehalten. Die es derzeit noch gibt, auch gewiss sein, dass der Anhang des Kiezclubs ihn in Windeseile in die Arme und Herzen schließen wird, denn in der ganzen weiten Fußballwelt gibt es wohl kaum einen Verein, bei dem Helden so schnell geboren und so innig verehrt werden wie beim FC St. Pauli. Nirgendwo sonst hätte Leo Manzi zum Publikumsliebling werden können, nirgendwo sonst hätte ein Gerald Asamoah mit nur einem einzigen Tor unsterblich werden können und nirgendwo sonst würde sich noch irgendwer an Adolphus Ofodile erinnern, nur weil er, der sonst nie wieder auch nur ein einziges Tor für den Verein machte, mal bei einem 7:1 gegen Braunschweig zwei Tore gemacht hat. Sollte Frontzeck auch nur ein bisschen Erfolg haben und sich als wenigstens halbwegs sympathisch herausstellen, wird er sicher sehr schnell von sehr vielen als »Frontzecke« in die St. Pauli-Familie aufgenommen werden. Ich persönlich hätte nichts dagegen.

Notizen zum fluter.de-Interview


Ein Interview mit einem »Mann, den es eigentlich nicht gibt«, erschienen auf fluter.de, schlägt derzeit hohe Wellen. Bin Stunden geisterte der Link zu dem Artikel hundertfach durch Facebook, Twitter und diverse Blogs und wurde noch weit häufiger kommentiert. All das nur wegen eines anonym geführten Interviews. Offenbar wurde hier an ein Thema gerührt, das noch immer ein heißes Eisen ist.

Dieses Thema, dieses heiße Eisen, heißt »Homosexualität im Fußball«, denn der Interviewte ist Bundesligaprofi und gleichzeitig schwul. In einer freieren Gesellschaft wäre das wahrscheinlich nicht einmal ein »Aha« wert. In der Welt, wie sie ist, ist es eine mittelschwere Sensation, auch wenn Bayern-Präsident Uli Hoeneß »unsere Gesellschaft« für »doch ziemlich aufgeklärt« hält.

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach dagegen zeigte sich umgehend hilfsbereit: »Sollte sich ein Spieler, egal ob in der Bundesliga oder der Kreisliga, öffentlich als homosexuell outen wollen und dabei die Unterstützung des DFB benötigen, so wird unser Verband jegliche Hilfe anbieten.« Die Crux dabei ist, dass genau solche Hilfsangebote nachdrücklich beweisen, dass eben doch nicht alles so harmlos ist, wie es von den Vorstandsetagen aus aussieht. Da verwundert es auch wenig, dass Menschen, die sich zwangsläufig sehr viel direkter mit der Thematik auseinandersetzen müssen, weniger optimistisch in die Zukunft blicken. So äußerte beispielsweise die Organisation Queer Football Fanclubs, in der sich LGBT-Fanclubs verschiedener Vereine aus mehreren Ländern Europas zusammengeschlossen haben, in einem Statement:

»Die Aufmerksamkeit, die dieser Artikel und damit das Thema bekommen, zeigt uns, dass Toleranz von Homosexualität noch nicht bei jedem angekommen ist. Allein die Tatsache, dass dieses Interview anonym durchgeführt wurde, belegt, dass Schwulsein längst keine Normalität hat.«

Auch der im fluter interviewte selbst zeigt sich bestenfalls eingeschränkt optimistisch:

»Das ist alles gut gesagt, wenn man nicht am nächsten Spieltag ins Stadion muss. Vielleicht wäre es zu verschmerzen, wenn sich mehrere Spieler outen würden, aber selbst da sehe ich momentan wenig Hoffnung. Schließlich wäre es dann immer noch eine Minderheit, auf der man vorzüglich herumreiten könnte.«

Wer regelmäßig oder auch nur gelegentlich in bundesdeutschen Fankurven unterwegs ist wird diese Einschätzung höchstwahrscheinlich bestätigen. Zwar hat sich in den letzten zwei, drei Jahren enorm viel getan. Es sind Bücher geschrieben worden, Filmdokumentationen über den Äther gegangen und nicht zuletzt die Kampagne »Fußballfans gegen Homophobie« hat Bemerkenswertes geleistet, doch sind in vielen Kurven homophobe Beschimpfungen gegnerischer Fans oder Spieler_innen noch immer trauriger Alltag. Selbst wenn es wie in manchen Fällen nur eine Minderheit ist, die sich dergestalt äußert, so reicht das noch immer aus, ein Klima der Angst und der zumindest latenten Homophobie zu schaffen, und für jedes Bremen oder Mainz, wo sich große Teile der Fanszenen aktiv gegen Homophobie positionieren gibt es auch mindestens ein Dortmund, Halle oder Rostock, wo es schon beinahe eine Schlagzeile wert ist, wenn ein Spiel mal ohne menschenfeindliche Kackscheiße vonstatten geht.

Das wahre Problem scheint mittlerweile jedoch nicht mehr in den Köpfen in der Kurve zu liegen, sondern viel mehr in dem schier unglaublichen Lechzen der Medien nach dem ersten Outing. Erwartungen, dass wer auch immer sich als erstes outet oder geoutet wird bis auf weiteres vor lauter Interviewanfragen und Talkshoweinladungen nicht mehr zum trainieren kommen wird, sind durchaus realistisch. Der erste offen schwule Fußballprofi liefe wohl oder über Gefahr an der wohlwollenden Umarmung der total toleranten Medien zu ersticken.

Überhaupt ist der Begriff der Toleranz ein problematischer und dass allerorten nach Toleranz geschrien wird ist durchaus Teil des Problems. Toleranz nämlich bedeutet nichts anderes als das Anderssein der Anderen mehr oder weniger wohlwollend hinzunehmen und zu ertragen. Dass das Anderssein dabei auch gleichzeitig als gleichwertig akzeptiert wird, ist damit keineswegs gesagt. Toleranz alleine wird daher niemals wirklich genug sein. Was hingegen tatsächlich helfen würde wäre Respekt im Sinne von Achtung. Wer nämlich sein Gegenüber respektiert so wie er_sie ist wird ihn_sie auch nicht für die Auflage oder für die Quote ins Scheinwerferlicht zerren ohne Rücksicht auf die individuellen Folgen, die ein solcher Medienoverkill haben kann und würde. Ein solcher Respekt gegenüber homosexuellen Fußballprofis scheint aktuell nicht gerade wahrscheinlich. Immerhin wird er auch sonst von kaum jemandem kaum jemand anderem entgegengebracht. Wir leben in einer Gesellschaft, in der Solidarität und Respekt – so es sie jemals gab – weitgehend durch Konkurrenz und Argwohn ersetzt worden sind, in der die Vereinzelung der Großstadt auf den Normierungszwang der nationalen Dorfgemeinschaft trifft und in der »fremd« und »anders« für viele noch immer Synonyme für »feindlich« und »gefährlich« sind.

Solange für einen großen Teil der Bevölkerung Mesut Özil spätestens nach einem Spiel doch bloß wieder »der Türke« ist und die weibliche DFB-Auswahl »gar nicht mal schlecht« spielt »dafür dass sie nur Frauen sind«, solange wird auch ein schwuler Bundesligaprofi immer und immer wieder auf sein Schwulsein zurückgeworfen werden – ganz einfach weil es in dieser Gesellschaft keinerlei Kultur des Respekts gegenüber dem Anderssein gibt. Das »ohne Angst verschieden Sein«, von dem Adorno einst träumte, scheint leider noch immer nicht in greifbarer Nähe. Ein einzelnes Interview oder auch das kollektive Outing von zwei Dutzend Profifußballer_innen können und werden daran leider bei allem guten Willen nichts dran ändern können. Die Kritik und die Veränderungen müssen viel grundlegender sein, aber das von einem Niersbach oder einem Hoeneß zu erwarten, wäre wohl wie den Papst zum CSD einzuladen,